facebook twitter
MARCdePUECHREDON Mobile Menu

Christian Achenbach (D, 1978)

Christian Achenbach ist Maler. Seine Bilder sind reine Malerei. Diese Einschätzung mag banal klingen, doch sie besitzt erhebliche Tragweite. Es gehört schon Mut dazu, sich im Kontext der zeitgenössischen Kunst, in der jegliche Ausdrucksform und jeglicher Referenzpunkt erlaubt ist, derart eindeutig zu positionieren. Es ist nichts Geringeres als die Weitererzählung der Geschichte der Malerei, die Christian Achenbach betreibt. Nach eigener Aussage sei für ihn „das Motiv nicht wichtig, vielmehr hätte er der Malerei selbst eine Bühne bieten wollen“. Doch es ist unverkennbar, dass Achenbach in der letzten Dekade sehr stringent eine eigene Bildsprache erfand und weiterentwickelte. Besonders seine neuesten Werke zeugen von dem routinierten Umgang mit dem Medium. Seine Bilder sind Collagen aus geometrischen Formen und gestischer Malerei, aus Neontönen und Farbverläufen, aus dem Spiel zwischen statischen Elementen und dynamischen Partien. Assoziationen drängen sich auf. Verweise auf den Futurismus ziehen sich ebenso durch das Œuvre Achenbachs wie Elemente des Kubismus. Künstlerkollegen kommen einem in den Sinn: Picassso, Lichtenstein, Kandinsky.
Mit Kandinsky, der von sich behauptete, Farben zu sehen, wenn er Töne hörte, verbindet Achenbach die Liebe zur Musik. Obgleich ästhetisch kaum vergleichbar, sind es malerische Rhythmen und Kompositionen, die die Bildräume beider Künstler „klingen“ lassen. Achenbachs kunsthistorische Zitate sind jedoch keineswegs Ausdruck von Einfältigkeit oder Überheblichkeit. Vielmehr scheint Christian Achenbach die Malerei der Moderne als ein Alphabet zu verstehen, dessen Buchstaben er verwendet, um eine neue Sprache zu entwickeln: Seine!

Ihre Erweiterung finden Achenbachs Überlegungen zum Medium der Malerei in der Skulptur. Für seine neuesten Stelen verwendet der Künstler Scherben des französischen Glasherstellers Lalique. Formal-ästhetisch an Constantin Brâncușis „endlose Säule“ erinnernd, türmen sich Kegel übereinander und laden den Rezipienten ein, die Logik der Struktur weiterzudenken. Scheinbar fragil balancieren die aus geschmolzenem Glas hergestellten Elemente übereinander. Die Sachlichkeit der Säule von Brâncuși wird bei Achenbach durch die Sinnlichkeit ersetzt. Betrachtet man die einzelnen Partien der Skulpturen fällt auf, dass sich die unterschiedlichen  Farben des Glases durch den Erhitzungsprozess verbinden, jedoch nicht vermischen, wodurch – um in der Terminologie des Werkes zu bleiben – „amorphe Collagen“ entstehen, deren integraler Bestandteil das Licht ist.

Der konzeptuelle Ursprung von Achenbachs Glasstelen ist in der Lichtmetaphysik zu verorten – der Ausgangspunkt des Neuplatonismus – jener Lehre, nach der das Licht die Substanz aller Dinge und damit der Welt ist. Die Auffassung, dass Gott ungeschaffenes Licht ist, das alles erleuchtet, hat die Glasmalerei mit ihrer farbig entrückten Diaphanie in den gotischen Kathedralen entstehen lassen. Hier wird sowohl der Bezugspunkt, die Bedeutung und die Brücke deutlich, die die Malerei Achenbachs mit seinen Skulpturen vor diesem historischen Hintergrund verbindet.

Text Christof Bollhoff


© 2017 PUECHREDONgmbh